
Gemäldegalerie
I. Saal (Gang):
Frühe Kunst
Italiens bis 1550
Das eingangs aufgestellte Porträt M. Wagners
formte
ein noch unbekannter deutschrömischer Bildhauer.- Aus Wagners
Besitz
stammt das große, spätgotische Triptychon des Florentiner
„Maestro
del Bambino Vispo“ (Gherardo Starnina? um 1410; K 473). Diese
vorzüglich
erhaltenen Tafeln dokumentieren exemplarisch die mittelalterliche
Praxis
unvermischt - und damit leuchtstark - aufgetragener Farben. Sie
kennzeichnen
auch Wagners unvoreingenommenes Interesse für alle Kunstepochen,
nicht
nur die der klassischen.
II. Saal: Fränkische
Kunst
der Spätgotik
Unter der hier präsentierten fränkischen
Spätgotik
ragt als Meisterwerk das frühe Beweinungsrelief Tilman
Riemenschneiders
hervor.- Leuchtstarke Farben und reiche Webtechniken zeichnen den in
Nürnberg
entstandenen großen Wandteppich aus (K 363). Die Wappen der
Familie
Pirckheimer und Watt als auch die in der Nürnberger
Wolgemut-Werkstatt
zu suchenden Vorbilder der dargestellten Kreuzigung erlauben eine
Datierung
um 1460/65.- Gegenüber ist auf den dreiteiligen Flügelaltar
mit
dem Martyrium der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan aufmerksam
zu machen, der um 1490 vielleicht für das Stift Neumünster,
dem
Grab der Apostel, entstanden war (K 310). Einzigartig ist die
dokumentarisch
genaue Wiedergabe der Festung Marienberg.- Der zweite, 1521 datierte
Kiliansaltar
stammt aus der Pfarrkirche Mühlhausen bei Pommersfelden. Die
beiden
Flügel, die zu einem verlorenen Figurenschrein gehörten,
konnten
bisher noch keinem Meister überzeugend zugeschrieben werden (K
185).
III. Saal: Großformatige
Gemälde
aller Schulen
Die rechte Wand zeigt die Entwicklung der
Landschaftsmalerei
vom dramatischen Frühbarock des 17. Jhs. bis zu den
harmoniebetonten
Lösungen des frühen 18. Jhs.: J.-F. Millet (K320.321), A.
Faistenberger
(K 148.149), G. Dughet (K 136) und J. F. v. Bloemen (K 30). Drei
große
Leinwandbilder demonstrieren die Wandlung im italienischen
Historienbild
von der großartigen Ruhe eines Paolo Veronese (K525) zu den fast
monochromen, aber dramatisch bewegten Kompositionen des Neopolitaners
Luca
Giordano (1686. K 204.205).- Das einzigartige Doppelporträt (K
380)
eines Architekten mit Zirkel, der im Spiegel zusammen mit dem Maler
noch
einmal erscheint, wird Giov. Battista Paggi aus Genua zugeschrieben (um
1580). Es wurde kürzlich gereinigt und in seinem ruinösen
Zustand
konserviert. Der aus Metz stammende, aber in Neapel und Rom tätige
Francois Didier Nomé kaprizierte sich auf phantastische
Architekturstücke,
hier mit Christus und der Ehebrecherin belebt, ca. 1610/20 (K 361).
IV. Saal: Deutsche und
niederländische
Kunst 1500 - 1630
Das Porträt des kaiserlichen Beamten Sixtus
Ölhafen
(K 437) wird dem Nürnberger Hans Schäufelein zugeschrieben,
der
es vielleicht noch in der Werkstatt Dürers schuf. In diesem
für
Schäufelein herausragenden Werk wird Dürers Porträtkunst
nämlich spürbar.- Der zu einem Memento Mori komprimierte hl.
Hieronymus des Nürnbergers Georg Pencz (1545. K 386) gehört
zu
den Varianten nach Dürers 1521 in Antwerpen gemalten Urbild
(Lissabon).-
Die große Predella links daneben mit der Innenansicht des
Würzburger
Doms von 1627 schuf der Würzburger Hofmaler Hans Ulrich
Bühler
für den im Bild links gezeigten Bartholomäus-Altar des
Domdekans
G. v. Wiesenthau (K 55).- Von dem „Meister H.B. mit dem Greifenkopf“
stammt
das Gemälde der Caritas romana (1546), am Beispiel der
aufopferungsvollen
Tochter Pero, die ihren zum Hungertod verurteilten Vater Cimon im
Kerker
säugt (K 313). Die einst zersägte Buchenholztafel wurde
kürzlich
restauriert und wieder zusammengefügt.- Als herausragendes Werk
der
deutschen Renaissance gilt die große, 1514 datierte Tafel mit der
Darstellung einer Schlacht, namengebend für den bisher anonymen
„Meister
der Würzburger Schlacht“ (K 315).
V. Saal: Italienische Kunst
des
17. und 18. Jhs.
Wohl aus dem Besitz Balthasar Neumanns stammen die
beiden
Historienbilder „Mucius Scaevola vor Porsenna“ (K 494) und „Coriolan
vor
den Frauen“ (K 495), die Tiepolo 1750/53 in der Winterpause gemalt
haben
muß (vgl. Rinaldo und Armide in der Staatsgalerie). Die
römischen
Tugenden der Tapferkeit und der Großmut (Coriolan) werden hier in
der für Tiepolo eigenen stupenden Farbregie inszeniert.- Daneben
zwei
kleine auf Ziegenleder gemalte Ruinen - Capricci, die bisher als Werke
des Marco Ricci (1676-1729) galten, dem Begründer der
venezianischen
Landschaftsmalerei des 18. Jhs. Nicht grundlos werden sie jetzt dem
jüngeren
Francesco Guardi (1712-93) zugeschrieben (K 404.405).- Aus Wagners
Besitz
stammt das lebendige Porträt eines jungen Adeligen von Sebastian
Bombelli
aus Udine (1635-1719), das noch Tizians und Tintorettos Einfluß
verrät.-
Die „Büßende Magdalena“ (K 400) des Nicolas Regnier
(1590-1667)
kann die flämische Herkunft ihres Schöpfers nicht verleugnen,
wiewohl Regnier neben Rom vor allem in Venedig tätig war.
VI. Saal: Niederländer
des
17. Jhs.
Hervorzuheben ist das in höchster, fast
monochromer
Harmonie leuchtende „Stilleben mit Römer“ des Pieter Claesz (1640.
K 66).- Konträr zu dieser puritanischen Strenge breitet der Flame
Franz Wouters (1612- 59) gegenüber sein mythologisches Thema aus:
Zeus verführt in der Gestalt Dianas deren Gefährtin Kallisto,
die ihre Schwangerschaft später mit der Verwandlung in eine
Bärin
bezahlen muß (K 564).- 1633 schuf der Den Haager Maler Jan
Anthonisz
van Ravesteyn (1570-1657) das schöne Bildnis eines Offiziers im
Lederkoller
(K398).- Dem jüngeren Franz de Momper (1603-60) ist jetzt die
große
Landschaft eines Kanalufers (K 328) mit Stadtbild eher zuzuschreiben
als
seinem Onkel Joost de Momper.- Die römische Landschaft mit dem
Tempel
der Minerva Medica schuf der lange in Rom lebende Bartolomäus
Breenbergh
(1598-1657) um 1630 (K 51).- Die kleine, monochrome Tafel mit dem „hl.
Hieronymus im Wald“ (K 25) zählt als erstes signiertes und 1640
datiertes
Frühwerk des Haarlemers Nicolaes Berchem (1620-83).
VII. Saal (Ecksaal): Deutsche
Malerei
des 18. Jhs. und Martin v. Wagner
Hier sind Werke von Künstlern versammelt, die in
Franken
tätig waren, wozu auch der Venezianer Antonio Pelligrini
(1675-1741)
mit der großen Allegorie an der Decke gehört (K 385). Neben
den Franken G.A. Urlaub (1713-59) und Chr. Fessel (1737-1805;
Porträts
des Malerehepaares Treu, K 153.154) ist auf die Bayern Matthäus
Günther
(1705-88; K 216) und C. Huber (1752-1830) hinzuweisen, letzterer mit
seiner
Ölskizze für das 1945 zerstörte Deckenfresko in St.
Stephan,
Würzburg (K 243).- Neben charakteristischen Landschaften des J. J.
v. Cossiau (gest. ca. 1734: K 77), J. F. Beich (1665-1748: K 16) und F.
Kobell (1740-99: K 260.261) hängen Ölskizzen des Januarius
Zick
(1730-97), darunter zwei verschiedene Entwürfe zum 1752 datierten
Frühwerk „Saul bei der Hexe von Endor“ (K 569), wovon die
spätere
Version kürzlich erworben werden konnte. Zeitgleich zu Tiepolos
farbenhellen
Fresken in Würzburg wird hier der Einfluß von Rembrandts
Hell-Dunkel
spürbar.- Die übrigen Wände demonstrieren Martin von
Wagners
malerisches Schaffen der Zeit von 1797-1810, darunter sein riesiges
Hauptwerk
„Der Rat der Griechen vor Troia“ (1805-08), das der junge bayerische
Kronprinz
Ludwig für München erwarb und das eine lebenslange
Freundschaft
der beiden begründete. Dieses zu wenig beachtete Riesenwerk (K
556)
ist Wagners ureigenste Antwort auf jenen Klassizismus, wie er ihn 1804
bei Jaques Louis David in Paris kennengelernt hatte. Fragmente der
Gipsmodelle
für den 85 m langen Marmorfries der Walhalla (1822-37) zeugen von
Wagners plastischem Hauptwerk für Ludwig I. von Bayern.
VIII. Saal: Deutsche Maler des
19.
Jhs.
In der Fensternische steht eine Exemplar von Danneckers
berühmter
Parzenuhr (1794), das der Würzburger Theologe Franz Oberthür
bei ihm bestellt hatte.- Hubert Sattler aus Wien wurde durch seine
„Kosmoramen“
berühmt. Auf seinen drei Bildern dominiert die Architektur, auch
wenn
es sich etwa bei der Staffage vor der Londoner Westminster Abtei um den
Krönungszug Königin Victorias (1838) handelt (K 433).- Der
Ansbacher
Porträtmaler Johann Friedrich Kreul (1804-67) schuf das
authentische
Bildnis des rätselhaften Findlings Caspar Hauser (1830, K 270),
der
1828 sechzehnjährig in Nürnberg auftauchte und 1833 ermordet
wurde.- Von dem Nazarener Friedrich Overbeck (1789-1869) stammt die
Skizze
einer Grablegung, die er für die Marienkirche in seiner
Heimatstadt
Lübeck in Rom 1841-45 ausgeführt hatte (K 379).-
Singulär
ist das aus Federn geklebte Bildnis Max I. Joseph von Bayern, das
letzte
Exemplar jener seinerzeit berühmten „Musivgemälde“, die der
Würzburger
Minoritenpater und Naturforscher Bonavita Blank (1740-1827) erfunden
hatte.
Barbara Thein aus Schweinfurt führte das Porträt aus.
IX. Saal: Deutsche Maler des
19.
Jhs.
Aufmerksamkeit verdienen drei italienische Landschaften
von
deutschen Malern, die Italien viel verdanken: Carl Rottmanns wunderbar
neuartig gesehene, winzige Campagna-Landschaft auf einem
Zigarrenkistendeckel
(um 1825. K 417), Friedrich Schirmers sorgfältigst erarbeitete
große
Campagna- Landschaft (1840. K 443) und Oswald Achenbachs späte
Neapel-Impression
(1890. K 2).- Von dem berühmten bayerischen Theologen Ignaz
Döllinger
(1799-1890) schuf der bekannte Münchner Bildnismaler Franz von
Lenbach
mehrere Porträtversionen in Anlehnung an Rembrandts
Hell-Dunkel-Manier
(K 286), von denen eine unser Museum erwerben konnte.
X. Saal: Deutsche Maler des
19.
und 20. Jhs.
Max Liebermanns kleine, impulsive Ölskizze einer
sitzenden
Frau gehört zu den Vorstudien seines Frankfurter Bildes
„Freistunde
im Amsterdamer Waisenhaus“ von 1881 (K 287).- Zu den Münchner
Landschaftsmalern
zählt Johann Sperl mit seiner um 1892 entstandenen Landschaft
„Kraiburg
am Inn“ (K 469).- Dominiert wird der Raum von Hans Purrmanns
großem
„Blumenstück“, das zwischen 1835-43 in Florenz für den
befreundeten
und später an diesem Museum tätigen Professor Herbert
Siebenhüner
gemalt worden war, der es 1996 dem Museum vermachte. Purrmanns
Porträtkopf
von der Würzburger Bildhauerin Emy Roeder zeugt von einer weiteren
Freundschaft.- Leihgaben und Stiftungen der Würzburger Josef
Scheuplein
und Wolfgang Lenz setzen im Raum neue Akzente.
XI. Saal: Kunst des 20. Jhs.
Eine hell leuchtende Gouache von Serge Poliakoff
(1906-69)
bezeugt die starke abstrakte Kunstströmung der Nachkriegszeit,
wobei
den raffiniert übereinandergelegten Farben die Hauptrolle
zufällt.
Kurt Michael Vouttas Ölgemälde „I trust to him“ (1963)
erreichte
das Museum als Schenkung, wie auch alle übrigen hier gezeigten
Arbeiten
von dem Würzburger Curd Lessig, von Otto Garu aus Erlangen und von
Josef Scheuplein aus Würzburg.
(K-Nummern nach Katalog V. Hoffmann 1986)